Locarno Festival

Das Locarno Festival findet seit 1946 jedes Jahr im August in der Stadt Locarno im Kanton Tessin in der Schweiz statt. Es gehört nach den Filmfestspielen von Venedig und dem Moskauer Filmfestival, die beide bereits in den 1930er Jahren gegründet wurden, und neben den Filmfestspielen von Cannes und dem Filmfestival Karlovy Vary (alle 1946 gegründet) zu den ältesten Filmfestspielen der Welt. Wie diese zählt es zu den Filmkunstfestivals mit einem Spielfilmwettbewerb nach den Vorgaben der Filmproduzentenvereinigung FIAPF (A-Kategorie-Festival).

Die 70. Auflage des Filmfestivals fand vom 2. bis 12. August 2017 statt und wurde mit Noémie Lvovskys Mutter-Tochter-Drama Demain et tous les autres jours eröffnet. Jurypräsident bei der Vergabe um den Goldenen Leoparden, den Hauptpreis des Festivals, war der französische Regisseur Olivier Assayas. Der Jury gehörte auch die österreichische Schauspielerin Birgit Minichmayr an. Nastassja Kinski wurde mit einer Hommage geehrt.

Wirtschaftliche Bedeutung für die Region
Das Festival – mit einem Gesamtbudget von 10 Millionen Schweizer Franken – wird mit öffentlichen Fördergeldern von 2,5 Millionen Franken seitens des Kantons und weiteren 1,3 Millionen jährlich seitens der nationalen Regierung unterstützt. Nach einer vom Tessiner Staatsrat in Auftrag gegebenen Studie[9] der Universität der italienischen Schweiz (USI) in Lugano aus dem Jahr 2005 bleiben während der Dauer von knapp zwei Wochen 12 bis 13 Millionen Franken in der Region, womit die regionale wirtschaftliche Bilanz deutlich positiv ist.

Der statistisch ermittelte durchschnittliche Filmfestbesucher «gibt 123 Franken pro Tag aus, ist weiblich, zwischen 30 und 40 Jahre alt, stammt aus der deutschsprachigen Schweiz, verfügt über einen hohen Bildungsgrad sowie ein mittleres bis hohes Einkommen». Die Sozialforscher sprechen von «touristischem Potenzial» im Hinblick auf Kulturangebote und Gastronomie, die sich speziell auf das hier in Massen auftretende Bildungspublikum ausrichtet.

Cineastische Besonderheiten
Während elf Tagen werden hunderte Filme in diversen Reihen, Retrospektiven und im Wettbewerb um den Goldenen Leoparden gezeigt. Etliche Filmvorführungen finden als Freiluftveranstaltung auf der Piazza Grande in der Altstadt Locarnos auf einer Grossleinwand (26 × 14 m) statt. Etwa 8’000 Zuschauer haben dort Platz.

Das Locarno-Filmfest hat eine lange Tradition im Autorenfilm. Dies sind jene Filme, in denen der Regisseur sämtliche künstlerischen Aspekte des Films wie Drehbuch oder Schnitt wesentlich bestimmt und als (alleiniger) Autor des Filmwerks angesehen wird.

Die ab dem Jahr 2000 amtierende Leiterin, die italienische Filmkritikerin Irene Bignardi, stand für eine inhaltliche und künstlerische Kontinuität der Filmauswahl mit sozialem und politischem Inhalt. Im Sommer 2004 beim 57. Internationalen Filmfestival von Locarno waren es über 350.

Ab August 2005 hiess der Direktor des Filmfestivals von Locarno Frédéric Maire. Anfang Juni 2008 wurde bekannt, dass der 44-jährige Neuenburger Filmjournalist und Regisseur Maire vorzeitig aus seinem Amt ausscheidet und zum 1. November 2009 die Arbeit als Direktors des Schweizer Filmarchivs aufnimmt. Am 1. September 2009 übernahm Olivier Père, bisher in Cannes tätig, die Leitung des Filmfestivals. Ende August 2012 gab er nach drei Jahren das Amt des künstlerischen Leiters auf, um Anfang November den Posten des Generaldirektors von Arte France Cinéma anzutreten. Anfang September 2012 wurde der italienische Filmkritiker und Autor Carlo Chatrian, von 2001 bis 2007 Vizedirektor des Alba Film Festivals, zu Pères Nachfolger ernannt. Am 24. August 2018 wurde Lili Hinstin vom Verwaltungsrat des Filmfestivals zur künstlerischen Leiterin gewählt, sie soll Chatrian mit 1. Dezember 2018 in dieser Funktion nachfolgen.

2009 standen Anime im Mittelpunkt des Festivals. Isao Takahata wurde mit dem Ehrenleoparden für sein Lebenswerk geehrt.

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