Oscar – Academy Award

Der Academy Award, offizieller Name Academy Award of Merit (engl. für „Verdienstpreis der Akademie“), besser bekannt unter seinem Spitznamen Oscar, ist ein Filmpreis, der alljährlich von der US-amerikanischen Academy of Motion Picture Arts and Sciences (AMPAS) für die besten Filme des Vorjahres verliehen wird. Wegen der Zulassungsprozedur dominieren in den Siegerlisten in der Regel US-Produktionen. Die bisher letzte Verleihung fand am 4. März 2018 in Los Angeles statt. Die nächste Verleihung wird voraussichtlich am 24. Februar 2019 stattfinden.

Die Auszeichnung wurde am 12. Februar 1929 vom damaligen Präsidenten der MGM Studios, Louis B. Mayer, ins Leben gerufen, acht Jahre nach der Verleihung des Photoplay Awards, der als erster Filmpreis der Welt gilt. Der Oscar wird in einer gemeinsamen Zeremonie in derzeit über 30 verschiedenen Kategorien vergeben; die Preisträger erhalten eine Statuette, die einen Ritter mit einem Schwert auf einer Filmrolle darstellt.

Geschichte
Gegen Ende der 1920er Jahre befand sich die US-amerikanische Filmindustrie in einer Krise. Neue Erfindungen – zum Beispiel das Radio – führten dazu, dass die Kinos weniger Besucher verzeichneten. Für die Eigentümer der großen Studios wurde die Situation zunehmend schwieriger. Die Bildung von Gewerkschaften auch in der Filmindustrie führte dazu, dass sie die Arbeiter in ihren Studios angemessen bezahlen mussten, was bis dahin unüblich war. Im Rahmen von Demonstrationen wurden mehr Lohn und die Einführung geregelter Arbeitsverhältnisse gefordert. Eine weitere Schwierigkeit für die Studios bestand durch die Zensur.

Der Leiter der damals sehr erfolgreichen und einflussreichen Metro-Goldwyn-Mayer-Studios (MGM), Louis B. Mayer, traf sich mit zwei guten Freunden, um sich mit dem Problem auseinanderzusetzen. Zusammen mit Conrad Nagel und Fred Niblo ersann er eine Institution, die die Kunst des Filmemachens verkörpern und eine zentrale Steuerung der Interessen der Filmschaffenden gewährleisten sollte – eine Akademie schien diese Anforderungen zu erfüllen.

Am 11. Januar 1927 wurde ein Galadinner veranstaltet, bei dem sich 33 einflussreiche und namhafte Filmgrößen trafen, um die „Academy of Motion Picture Arts and Sciences“ zu gründen. Unter ihnen befanden sich Berühmtheiten wie Douglas Fairbanks, Mary Pickford, Cecil B. DeMille, die Warner Brothers und andere. Das erste offizielle Bankett der Akademie fand am 11. Mai 1927 statt.

In den ersten Akademie-Statuten wurde festgeschrieben, um welche Aufgaben sich die Akademie zu kümmern hatte. Die Einführung des Preises wurde Anfang 1928 beschlossen und ergänzt. Am 16. Mai 1929 wurde der Akademiepreis zum ersten Mal vergeben, und zwar im Hollywood Roosevelt Hotel direkt am Hollywood Boulevard in Hollywood.

Der erste Schauspieler, der mit dem „Academy Award of Merit“ ausgezeichnet wurde, war der deutsche Schauspieler Emil Jannings. Er erhielt ihn in der Kategorie „Bester Hauptdarsteller“ für seine Leistung im Film Der Weg allen Fleisches (1927; Regie Victor Fleming); von dem Film sind keine Kopien mehr auffindbar. Die Auszeichnung galt zugleich für Jannings’ ein Jahr später entstandenen Film Sein letzter Befehl (1928; Regie Josef von Sternberg). Der Preis wurde ihm 1929 vorzeitig übergeben, da er auf dem Weg zurück nach Deutschland war; von der Zeremonie existieren keine Bilder. Mit dieser Auszeichnung als bester Hauptdarsteller ist Jannings der bisher einzige deutsche Schauspieler, der in dieser Kategorie gewonnen hat. Die in Düsseldorf geborene Schauspielerin Luise Rainer gewann den Preis als beste Hauptdarstellerin sogar zweimal (1936, 1937). Als erster Österreicher (mit Schweizer Herkunft) konnte 1961 Maximilian Schell für Das Urteil von Nürnberg in dieser Kategorie gewinnen.

Ab Mitte der 1930er Jahre, als das Interesse an der Veranstaltung auch außerhalb der Filmbranche gestiegen war, wurde die Liste der Gewinner vor der Verleihung an die Presse gegeben. Nachdem aber die Los Angeles Times 1940 die Sperrfrist missachtet und die Gewinner schon vor Beginn der Verleihung gedruckt hatte, wurde 1941 die vorherige Pressemitteilung abgeschafft; die Namen der Preisträger werden seitdem in versiegelten Umschlägen verschlossen gehalten. Die Gewinner sind bis zur Bekanntgabe in der Veranstaltung nur den beauftragten Notaren der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Price Waterhouse (seit 1998 PricewaterhouseCoopers) bekannt.

Das Interesse in der Öffentlichkeit in der Folge nahm kontinuierlich zu. 1953 wurde die Verleihung erstmals im Fernsehen übertragen. Heute stimmen mehr als 5500 Mitglieder der Akademie in den einzelnen Kategorien ab; die Verleihung wird weltweit übertragen und jährlich von etwa 800 Millionen Menschen verfolgt.

Nach Bekanntgabe der Oscar-Nominierungen 2016 sah sich die Academy of Motion Picture Arts and Sciences wachsender Kritik ausgesetzt – alle Nominierungen in den Darsteller-Kategorien hatten wie schon im Vorjahr weiße Schauspieler erhalten, obwohl in der amerikanischen Filmpreissaison zuvor dunkelhäutige Darsteller wie Idris Elba (Beasts of No Nation), Michael B. Jordan (Creed – Rocky’s Legacy) oder Will Smith (Erschütternde Wahrheit) Berücksichtigung gefunden hatten. Smiths Ehefrau, die Schauspielerin Jada Pinkett Smith und der Ehrenpreisträger Spike Lee kritisierten daraufhin öffentlich diesen Mangel an ethnischer Diversität und kündigten an, nicht zur Oscarverleihung zu erscheinen. Der Vorstand der Akademie unter der afroamerikanischen Präsidentin Cheryl Boone Isaacs stimmte daraufhin für neue Regeln, um die Zahl von Frauen und Angehörigen ethnischer Minderheiten bis 2020 zu verdoppeln. Im April 2016 wurde die Aufnahme 236 neuer Mitglieder bekanntgegeben, unter denen sich auch Wissenschaftler und Künstler befanden. Am 29. Juni 2016 wurden weitere 683 Persönlichkeiten als Neumitglieder eingeladen. Hierunter befanden sich 46 Prozent Frauen, und 41 Prozent gehören ethnischen Minderheiten an. Unter den Neumitgliedern befinden sich Regisseure wie Ryan Coogler, Deepa Mehta und Abbas Kiarostami, aber auch die Schauspieler Emma Watson, Michael B. Jordan, Oscar Isaac, Regina King, Anthony Anderson, Adam Beach, Kate Beckinsale, Chadwick Boseman, John Boyega, Carmen Ejogo, Idris Elba, America Ferrera, Greta Gerwig, Carla Gugino, Luis Guzmán, Tom Hiddleston, Patti LuPone, Rachel McAdams, Nate Parker, Anika Noni Rose und Marlon Wayans. Auch die Sängerin Mary J. Blige erhielt eine Einladung.

Zuletzt wurden Ende Juni 2017 insgesamt 774 neue Mitglieder ernannt, so viele wie nie zuvor. Nach Angaben der AMPAS waren 39 Prozent davon Frauen. Damit stieg der Frauenanteil auf 28 Prozent, der Anteil nicht-weißer Mitglieder auf 13 Prozent an. Zu den neuen Akademie-Mitgliedern gehören neben u. a. Adam Driver und Gal Gadot auch die 2017 nominierten Lucas Hedges, Barry Jenkins, Ruth Negga und Justin Timberlake. Ebenfalls aufgenommen wurden die Deutschen Fatih Akin und Daniel Brühl, die Österreicherinnen Jessica Hausner und Monika Willi sowie die Schweizer Claude Barras, Giacun Caduff, Corinna Glaus, Max Karli, Michel Merkt und Timo von Gunten. Anfang Mai 2018 beschloss der Aufsichtsrat der Akademie Roman Polański und Bill Cosby infolge von Vorwürfen sexuellen Missbrauchs als Mitglieder auszuschließen. Im Oktober 2017 hatte die Akademie bereits Harvey Weinstein aus demselben Grund ausgeschlossen.

Besondere Vorfälle
Bei der Oscarverleihung 1938 wurde die Statuette für die beste Nebendarstellerin vor aller Augen von der Bühne gestohlen. Die Preisträgerin Alice Brady hatte sich den Fuß gebrochen und konnte daher nicht an der Verleihung teilnehmen. Die Auszeichnung wurde von einem Betrüger entgegengenommen, der unerkannt verschwinden konnte und nie ermittelt wurde. Brady wurde später eine Kopie des Preises überreicht.

Mehrere Künstler verweigerten die Annahme des Oscars. Als Erster lehnte Dudley Nichols bei der Oscarverleihung 1936 seine Auszeichnung für das beste adaptierte Drehbuch zu Der Verräter ab, da er im Streit mit der Filmakademie lag. 1971 verweigerte der Schauspieler George C. Scott die Annahme der Auszeichnung für die Hauptrolle in Patton – Rebell in Uniform und protestierte gegen die zunehmende „Fleischbeschau“ in der Filmindustrie. Marlon Brando weigerte sich 1973, den Preis für die Hauptrolle in Der Pate entgegenzunehmen, aus Solidarität mit der US-amerikanischen Indianerbewegung, und schickte stattdessen die Indianerin Sacheen Littlefeather zur Veranstaltung. In der von Brando vorbereiteten Rede machte Littlefeather auf die Unterdrückung der Bürgerrechte der Indianer und besonders auf die Protestaktionen des American Indian Movement bei Wounded Knee aufmerksam. Littlefeather konnte aufgrund der begrenzten Redezeit nur ein improvisiertes Statement abgeben; sie verlas den gesamten Text erst hinter der Bühne vor den dort anwesenden Journalisten.

Bei der Oscarverleihung 1962 gelang es dem New Yorker Taxifahrer Stan Berman, sich auf die Bühne zu schleichen und einen selbstgemachten „Oscar“ für Moderator Bob Hope zu präsentieren. Berman nannte einen Bezug auf das Jahr 1938, in dem Hope seine erste Rolle in einem abendfüllenden Spielfilm (The Big Broadcast of 1938) hatte.

Bei der Oscarverleihung 1986 verstarb die Schauspielerin Sarah Cunningham während der Show in der Lobby an einem Asthma-Anfall.

Bedingt durch die große Resonanz der Oscarverleihung war die Veranstaltung gelegentlich auch ein Podium für öffentlichkeitswirksame Auftritte mit politischem Anliegen. Bei der Oscarverleihung 1974 rannte der Flitzer Robert Opel nackt über die Bühne und zeigte dabei das Friedenszeichen, als David Niven gerade eine Rede für die Schauspielerin Elizabeth Taylor hielt. Michael Moore nutzte seine Dankesrede zu seinem Oscar für Bowling for Columbine 2003, um US-Präsident George W. Bush wegen des amerikanisch-britischen Kriegs gegen das irakische Regime von Saddam Hussein scharf anzugreifen („Shame on you Mr. Bush!“).

Im selben Jahr blieb der Rapper Eminem der Show fern, da er sich weigerte, mit einer „entschärften“ Version seines Gewinnersongs „Lose Yourself“ aus dem Film 8 Mile aufzutreten.

Bei der Oscarverleihung 2010 kam es zu einem kleinen Eklat, als Music by Prudence als bester Dokumentar-Kurzfilm ausgezeichnet wurde. Gerade als Regisseur Roger Ross Williams zu seiner Dankesrede ansetzte, stürmte Elinor Burkett auf die Bühne und unterbrach die Rede. Die ursprüngliche Idee zum Film stammte von ihr, sie war jedoch aufgrund von Differenzen bereits im Jahr zuvor von ihren Aufgaben bei dem Projekt entbunden worden.

Bei der Oscarverleihung 2017 präsentierten Warren Beatty und Faye Dunaway den Preisträger in der Kategorie Bester Film. Dunaway sprach nach Zögern von Beatty irrtümlich dem Musical La La Land die Auszeichnung zu, tatsächlich hatte aber das Drama Moonlight den Oscar gewonnen. Beatty war zuvor fälschlicherweise der Umschlag mit der Gewinnerin der Kategorie Beste Hauptdarstellerin, Emma Stone in La La Land, ausgehändigt worden. Dies wurde erst nach den Dankesreden der La-La-Land-Produzenten Jordan Horowitz, Marc Platt und Fred Berger korrigiert. Im Jahr darauf gaben Beatty und Dunaway erneut den Oscar-Gewinner in der Kategorie Bester Film bekannt, diesmal ohne einen Fehler.

Der Name
In den ersten Jahren der Verleihung wurde die Trophäe noch ausschließlich als Academy Award of Merit bezeichnet. Wer schlussendlich der Pate für den Namen Oscar war, ist heute nicht mehr mit Bestimmtheit zu klären. Fest steht, dass der prägnantere neue Name seit Mitte der 1930er Jahre weitgehend verwendet wurde. Vier Personen werden immer wieder als „Taufpaten“ genannt:

  • Die ehemalige Vorstandssekretärin der Akademie, Margaret Herrick, soll beim Anblick der Statue gesagt haben: „Der sieht ja aus wie mein Onkel Oscar!“ In den Annalen der Akademie wird sie oft als offizielle Namensgeberin angeführt.
  • Bette Davis soll immer wieder betont haben, dass die Statue sie an ihren ersten Mann Harmon Oscar Nelson Jr. (1907–1975) erinnere.
  • Der Filmkolumnist Sidney Skolsky behauptete, der Namensgeber gewesen zu sein.
  • Als die Akademie einen Namen für die Trophäe überlegte, habe ein Mann vorgeschlagen, sie „Oscar“ zu nennen. Walt Disney habe dies mitbekommen und geglaubt, dies sei nun der offizielle Name der Trophäe. Er soll sich dann bei der Verleihung 1934 für seinen „Oscar“ bedankt haben.

Obwohl bis heute immer wieder betont wird, Oscar sei nicht die offizielle Bezeichnung, ist auch dieser Name seit 1979 markenrechtlich geschützt.

Die Trophäe
Der begehrte Filmpreis ist 34 cm groß und besteht aus einem massiven Britanniametall, das für ein Gewicht von 3,9 kg sorgt. Überzogen ist er mit einer dünnen 24-karätigen Goldhaut. Lediglich in Kriegszeiten wurde auf das Gold verzichtet.

Der Materialwert einer Statue beträgt etwa 300 US-Dollar. Die Akademie lässt die Oscars seit 1983 bei der R. S. Owen Company in Chicago fertigen. In den Sockel der Statue werden erst nach der Verleihung die Namen des Preisträgers, die dazugehörige Oscar-Kategorie und der Titel des Films eingraviert.

Der Entwurf zu der Statuette stammt vom Art Director der Metro-Goldwyn-Mayer (MGM), Cedric Gibbons. Die Gründer der Academy of Motion Picture Arts and Sciences beauftragten Conrad Nagel mit der Gestaltung des Filmpreises. Mit einem Budget von 500 Dollar machte sich Nagel über das Aussehen und die Art des Preises Gedanken. Eine schlichte Urkunde wurde für nicht ausreichend befunden. Die Idee kam auf, den Preis durch eine Statuette zu symbolisieren. Nagel beauftragte Gibbons, einen Entwurf für eine Statuette anzufertigen, die dem Filmpreis eine würdige Form verleihen sollte. Gibbons entwarf daraufhin die berühmt gewordene Figur eines goldenen Schwertträgers, der auf einer Filmrolle steht.

Seit 1950 müssen sich die Gewinner verpflichten, dass weder sie noch ihre Erben die Oscars verkaufen, ohne sie zunächst der Academy für einen US-Dollar anzubieten.[21] Verweigert ein Gewinner dies, behält die Academy die Trophäe. Der versuchte Verkauf des Oscars von Michael Todd durch seinen Enkel wurde von der Academy 1989 nach einem Rechtsstreit unterbunden. Mehrere vor Einführung der Bestimmung verliehene Oscars wurden jedoch in Auktionen für sechsstellige Summen verkauft. Im Dezember 2011 wurde Orson Welles’ Oscar für Citizen Kane (1941) von seinen Erben in einer Auktion angeboten. Die Erben hatten ihn bereits 2003 verkaufen wollen, was zu einem Rechtsstreit mit der Academy geführt hatte. Die Erben gewannen den Prozess, da Welles 1941 keine entsprechende Erklärung unterzeichnet hatte. Am 20. Dezember 2011 wurde der Oscar für 861.542 US-Dollar an einen anonymen Bieter verkauft.

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